Sonntag, 31. Oktober 2010

Gateaux

Um das Thema "Backen" abzurunden, sind noch paar einfachste Rezepte, mit denen ich den Turbakook-Genuss sublimiert habe.

Vorgestern hat man Apple-Pie gegessen:

(Handybild sorry)

Gestern waren die Karamel-Muffins:


Somit schließe ich das Thema für heute.

Turbakook: Ergebnis

Wir essen nicht einfach die Torte. Wir geben Kalorien ein Zuhause.
frei nach Top-Tweet vom 29.10.2010





Samstag, 30. Oktober 2010

Turbakook, Samstag und Jamie Oliver

Wie leidenschaftlich muss man doch sein Leben lieben, um im Laufe des Tages mehrmals bei den Gedanken ertappt zu sein, dass dies oder jenes in seinem alltäglichen Leben blogseintragswert ist?! Aber eigentlich gibt es bei mir einen großen Side-effect, der sich allmählich aber zu den bedeutsamsten nähert. Ich möchte alles, alles aufschreiben, was mir passiert, damit meine Enkeltöchter später lesen können, dass die Oma mit 20 nicht nur auf ihre beneidenswerte Erbe hingearbeitet hat, sondern auch, dass sie das Leben ein bisschen genoss.

Die Oma-Zeiten rücken sich übrigens auch, nach dem persönlichen Empfinden. Ich wurde heute am Abend ins Kino eingeladen, aber habe im letzten Moment abgesagt. (Liebe Enkelkinder, seid nicht so spontan und kultiviert mehr Menschenliebe und Respekt!)
Am Nachmittag saß ich fast bis zum Abendrot im Cafe mit einer lieben Freundin und wir schwatzten. (Meine Lieben, solche inspirierende Treffen müssen auch sein.) Kurz davor war ich in der Bibliothek. Zur Papas Frage "Was wolltest du denn da ausleihen?" antwortete ich enthusiastisch, "was äußerst Schlaues, um das eingeschlafene Horizont auf weitere Horizonte expandieren zu lassen". Dabei träumte ich von Geschichtsromane oder von Werken zur japanischen Philosophie. Ich kam später heim mit diesem:



(Die Kinder und ihre Kinder werden mich doch nicht nur für eine interessante Weltanschauung lieben!)

Im Buchladen um die Ecke findet man genug von Jamies Büchern. Ich will aber nicht sie auf Russisch lesen. Wenn kaufen, dann auf Originalsprache. Das Buch habe ich bereits durchgeblättert. Peking-Ente sieht ganz lecker aus. Mit Pflaumen-Sauce, ich flippe gleich aus!

Das Leben ist wirklich schön. Insbesondere, wenn es nach einem estnischen Kuchen im ganzen Haus riecht. Ich muss den gleich aus dem Backofen holen.

Freitag, 29. Oktober 2010

Nothern Wind


Diese Story hat mir eine meiner vielen Tanten erzählt. Ich fand sie schön. Label "Love story" :)
Damals datete sie nur mit meinem Onkel. Sie wollte ihn "gar nicht heiraten", da der Altersunterschied zwischen beiden vier Jahre war. Sie war älter und das wird hier nicht besonders toleriert, wenn "ältere" Frauen mit jüngeren Männern ihr Glück finden wollen. Sogar, wenn der Zeitraum nur einen olympischen Zyklus beträgt.
Damals war sie jung (jetzt immer noch!) und arbeitete bei ihrem ersten Arbeitgeber, dem Staat. Sie verdiente wenig. Aus Spargründen und im Allgemeinen fit zu bleiben lief sie jeden Tag zur Arbeit zu Fuß. Eine Stunde lang und durch ein Feld. Die Stadt, wo unsere beiden Protagonisten leben, liegt weit nördlich und ist bekannt für starken Wind. Sie sagte, der nordöstliche Wind war am schlimmsten, da dieser Wind in ihr Gesucht schlug. Und an den Tagen, als dieser Wind zur Stadt kam, war es kalt und recht ungemütlich. Ihr Gesicht, wenn sie jedesmal zur Arbeit kam, brannte. Mein Onkel, damals vier Jahre jünger, arbeitete auch. Jeden Morgen, wenn er ins Büro kam, fragte er seinen Arbeitskollege, aus welcher Richtung heute der Wind kam. Und jedes Mal, wenn er "Nordost" hörte, atmete er traurig auf. Wenn man fragte, warum das ihn sorgen sollte, antwortete er: "Einfach so".

Sie haben zwei süßen Söhne und sind über 10 Jahre zusammen.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Kulinarische Grüße aus Estland

Um ein wenig Oberflächlichkeit hier reinzubringen, werde ich meine Pläne zum Backen kurz vorstellen. Eigentlich wollte ich heute Abend diese estnische Torte backen, mjam:

(c) gefunden im livejournal.com

Leider hat jemand gestern fast ein Kilo Kekse gekauft. Es ist deswegen keine passende Zeit jetzt, ein neues "Produkt" auf den "Markt" zu bringen, denn der "Markt" ist voll gesättigt! Unter Zutaten für diese Torte kann man 500 gr cream cheese finden. Alleine, wenn ich mir die weiche, zarte Struktur der Füllung vorstelle, zähle ich die gebliebenen Kekse auf und serviere sie fleißig zu jeder Mahlzeit.

Ach ja, noch eine wichtige Neuigkeit, die sicherlich einen Blogeintrag wert ist: Ich habe einen neuen Kleiderschrank. Als wir den bestellt hatten, war meine Mama schwer beeindruckt von der Schrankgröße (der ist im Endeffekt aber kleiner als im Prospekt) und sprach die Phrase des Jahrhunderts aus: "Aigul, nun müssen wir dir mehr Kleidung kaufen, um den aufzufüllen!"

Dienstag, 26. Oktober 2010

No panic - I´m islamic

Ich wollte schon lange mehr zur Religion schreiben. Einfach erzählen, wie sie ausgelebt wird, und auf gar keinen Fall einen Diskussionsstoff produzieren ("Man soll sich in der Öffentlichkeit so äußern, daß keinesfalls eine Debatte entsteht"). Das Thema wird sowieso in anderen Ressorts ausreichend abgelichtet. Ich ändere auch mittlerweile meine frühere Meinung, dass der Glauben äußerst private Sache bleibt. So lange er das Alltagsleben und allgemeine Weltempfindung bestimmt, wird er doch wenig privat. Ach ja, und wir sind keine Fanatiker, die die Menschen nach der Länge ihres Bartes oder Burka abschätzen; man hat recht wenig zu verbergen :)
Wenn man denkt, dass die Themen der Kopfbedeckung oder der rechtsextremistischen Gruppierungen auf der täglichen Agenda unter Moslems stehen, dann liegt man falsch. Ich lese regelmäßig islamische Zeitungen und höre Predigte an. Das Hauptproblem, wogegen die religiösen Chefs heute zu kämpfen haben, ist die steigende Überzeugung der Sinnlosigkeit des Lebens in Gesellschaft. Wenn man sich zwar als der Zugehörige einer Konfession erklärt, wird man trotzdem den depressiven Gedanken nicht ausgesetzt. Beim letzten Predigt eines russischen Imams (unter umma.ru) wird zum Beispiel von Joanne Rowling erzählt. Sie sollte mal bei der Opra Winfrey´s Show gestanden haben, unter suizidalen Gedanken zu leiden. Wenn man bedenkt, dass diese Frau eine der mächtigsten Damen Großbritanniens ist, und im Allgemeinen scheint sie aus allen Sichten (weltberühmt, reich, schön, jung) erfolgreich zu sein, bleibt es kaum zu fassen: Was fehlt ihr doch noch? Ja, ich weiß: Reichtum macht nicht glücklich (und unglücklich übrigens auch). Es ist ja erstaunlich, wie schnell die Anzahl der Selbstmordfälle unter Bevölkerungsgruppen der unterschiedlichen Einkommensgröße wächst. Ausweglosigkeit besucht sowohl den Armen, als auch den Bentley-Fahrer. Und das genau beschäftigt die islamische Elite: wie man die Menschen zum Leben animiert; wie man Interesse zum Leben weckt. Dabei wird es laut gesagt: Fünfmal beten Richtung Mekka ist nicht der einzige Ausweg. Meiden vom Schweinefleisch und Casinos ist nicht die einzige Lösung. Beschränkung auf die Kommunikation mit Gleichgesinnten ist auch keine richtige Entscheidung. Sie sind lediglich nur ein kleiner (aber auch vll. visueller, d.h. auffälliger) Teil vom etwas Großen.

Wissen und Intelligenz

Es existiere tausende Konzepte der Intelligenz und des Wissens. Meine eigene Theorie hat sich im Laufe der letzten zwei Dekaden gründlich entwickelt. Zuerst war ich fest der Überzeugung: es sei äußerst cool, ein verkörpertes Variant der sowjetischen Großenzyklopädie zu werden (mind. 3 Bände: А, М, Р). Diese Art des Wissens erfordert aber jede Menge Fleiß und gute Lerntechniken (ich war ein Fan von der Mnemotechnik), bringt jedoch relativ anständige Zensuren und "Wow"-Effekte unter wenig geduldigeren Freunden. Das Wissen sollte nach diesem Konzept "all-round" sein: Insektenwelt, Geschichte Babylons, Formel-1-Winner 1998 oder wie man ein Jeansfleck rausbekommt.
Danach kamen andere Interessen hinzu, es blieb wenig Zeit für zwar nützliche, aber in dem Moment wenig vorgezogene (na ja, wenn all dein Freundeskreis in der Disko rumtanzt...) Selbstenwicklungsaktivitäten. Ich habe meine Einstellung zum Wissenmanagement transformieren lassen: Konzentriere dich auf das Spezielle. Wenn ich morgen kein Geld mit Derivatives (oh Gott, wie falsch ich lag!) verdienen werde, dann lerne ich besser Personal oder Lagerlogistik. So in der Art dachte ich. Das Konzept sollte auch mit einer neuen Überzeugung gefestigt sein, dass ich mein Kopf nicht überfordern soll. Warum ich dachte, dass die Speicherkapazitäten im Gehirn, also, die öden Neutronen bei mir auf irgendeine Art eingeschränkt sind? Kranker Gedanke, ein Virus der hedonistischen Lebenseinstellung.
Die Transformation in Bezug auf Wissen erinnert mich an die Lernsysteme der UdSSR und des "Westen". Bei uns hat man in den ersten Studienjahren so viele allgemeine Fächer, dass manchmal intensive Gedanken der (großen) Zeitvergeudung einschleichen. Wozu benötigt bitte ein BWLer Kulturologie oder "Konzepte der aktuellen Naturwissenschaften"? Unter anderem hat man hier im Lande auch ein Fach zur "Selbsterkennung", die von der First Lady eingeführt wurde und ja, einstimmig angenommen. Da ist man mit den disputablen Lehren ihrer spirituellen Gurus beschäftigt (mehr als 50% der Bevölkerung sunnitisch geprägt, bth). An den europäischen Hochschulen, wo ich mal war, ist es ganz anders. Es wird gefordert, das spezielle Wissen auf den Punkt zu bringen. Und Profis einer engen Spezialisierung sind gefragter. Es kann natürlich damit verbunden sein, dass es mit wachsender Wissensqualität der Bevölkerung nötig sein wird, sich von der (durchaus fortgeschrittenen) Masse abzuheben. Und ja, Zeit- und Kostenersparnis!
Zusammengefasst ist es sicherlich besser, einen gesunden Mix von beiden Konzepte zu haben.
Ich kam auf alle diese Gedanken am letzten Samstag, als ich ein Manuskript zur iranischen Geschichte las. Mein Papa saß neben mir und jede zweite Minute musste ich einige Sachen bei ihm klären. (Ja, google ist immer noch gratis und online) Wo liegt die Demarkationslinie zwischen Afghanistan und dem Iran, ist Persien nur Iran und Irak, warum Armenier und Georgier katholisch sind und ihre Nachbarn - Aserbaidschaner zum Islam gehören (und zwar Schiiten!), was war der Grund des Iran-Irakischen Krieges 1990 etc. Ich kann vielleicht nicht so schnell tippen, als ich das ganze Zeug gefragt habe. Und jede Frage von mir wurde beantwortet! Jeder Zusammenhang wurde erklärt. Dabei ist mein Papa sicherlich kein Nah-Ost-Expert, sondern ein überintelligenter normaler Mensch. Und da sah ich, in diesem "allround" Wissen einen großen Aspekt bei der Erziehung (ja, ich interessiere mich schon altersgemäß für diese Thematik :). Kinder, deren Eltern eine hohe IQ besitzen, bekommen das Sicherheitsgefühl. Für alle Fragen gibt es immer eine kluge Antwort oder mind. einen Hinweis, wo eine mögliche Antwort sich verbirgt. Die Stolz auf intelligente Eltern steigt. Die Lust zum Lernen wird geweckt. Und falls das Akku im Ipad oder im Laptop beim Googeln leer wird, geht die Welt nicht unter